Artikel
Kulturkreatives Spektrum (105)
Andere Welten (55)
Freie Gesundheitsberufe (22)
eurotopia (166)
Matriarchale Perspektiven (35)
Holon (76)
Editorial (30)
Briefe aus Amerika (6)
Anders Lernen (47)


Ausgabe 166 (12)
Ausgabe 165 (12)
Ausgabe 164 (12)
Ausgabe 163 (13)
Ausgabe 162 (13)
Ausgabe 161 (15)
Ausgabe 160 (12)
Ausgabe 159 (11)
Ausgabe 158 (13)
Ausgabe 157 (11)
Ausgabe 156 (15)
Ausgabe 155 (13)
Ausgabe 154 (12)
Ausgabe 153 (15)
Ausgabe 152 (12)
Ausgabe 151 (13)
Ausgabe 150 (14)
Ausgabe 149 (14)
Ausgabe 148 (16)
Ausgabe 147 (13)
Ausgabe 146 (13)
Ausgabe 145 (12)
Ausgabe 144 (11)
Ausgabe 143 (12)
Ausgabe 142 (12)
Ausgabe 141 (13)
Ausgabe 140 (15)
Ausgabe 139 (14)
Ausgabe 138 (12)
Ausgabe 137 (11)
Ausgabe 136 (14)
Ausgabe 135 (12)
Ausgabe 134 (8)
Ausgabe 133 (6)
Ausgabe 132 (9)
Ausgabe 131 (9)
Ausgabe 130 (10)
Ausgabe 129 (8)
Ausgabe 128 (9)
Ausgabe 127 (8)
Ausgabe 126 (6)
Ausgabe 125 (8)
Ausgabe 124 (8)
Ausgabe 123 (6)
Ausgabe 122 (7)
Ausgabe 121 (7)
Ausgabe 120 (3)
Ausgabe 119 (5)
Ausgabe 118 (1)
Ausgabe 115 (1)
Ausgabe 114 (11)

Über uns
Impressum
Wie integral darf Holon sein?
erschienen in Ausgabe 160  PDF-Version (192.23 KB)
Willi Maurer plädiert für Holon-Cafés als neutrale Vernetzungsplattformen.

„Ein 150-prozentig visionäres Produkt, das durch mehr als 20 Prozent Innovation von einem bisher gut verkäuflichen Produkt entfernt ist, findet ungenügend Interesse, um einen lohnenden Absatzmarkt erschließen zu können.“ Diese Worte von Gary Zemp aus der Kerngruppe IP – Integrale Politik Schweiz, waren für Willi Maurer Anlass, über das „Produkt“ Holon-Café neu nachzudenken. Er fragt sich, wie integral bzw. neutral sich Holon geben darf, damit sein wirklicher Wert in integ­ralen Kreisen wahrgenommen wird.


Das Netzwerk Holon wurde, ausgehend von einer Gruppe visonärer Menschen der Beaulieu-Bewegung, vor rund zehn Jahren gegründet. Die Menschen dieser Gruppe wirkten lange Jahre aufbauend mit und haben dabei weitere visio­näre Projekte ins Leben gerufen. Der tragende Mutterschoß des Kindes Holon waren große Institu­tionen, vertreten durch ihre charismatischen Gründerpersönlichkeiten. Das damals noch nicht so genannte Integrale an diesem Netzwerk war die Tatsache, dass an den jeweils siebentägigen Jahrestagungen die ganze Bandbreite an Verschiedenartigkeit unserer Gesellschaft vertreten war. Diese umfasste religiös/philosophisch orientierte Kreise, politisch aktive wie inaktive Gruppierungen, Individuen, die auf verschiedensten Bewusstseinswegen unterwegs waren, Lichtarbei­terIn­nen, WeltenbürgerInnen, Kommunen und Ökodorfgemeinschaften, zölibatäre Klostergemeinschaften, Gruppierungen, die versuchten, neue Formen des Zusammenlebens mit gemeinsamer Sexualität und Ökonomie zu verwirklichen, Wirtschaftskreisläufe und Währungssysteme neu zu gestalten. Damit war an diesen Tagungen immer auch ein ähnlich polarisierendes Spannungsfeld gegeben, wie es in der Gesellschaft wirkt. Dennoch bestand ein wesentlicher Unterschied – wir haben einander, meist freudig, manchmal auch widerwillig oder gar empört, zugehört. Für einige waren die Gegensätze so frustrierend, dass sie sich in den vertrauten Hort ihrer eigenen Kreise zurückgezogen haben. Für andere hingegen war es befruchtend und half, Projektionen zu erkennen, Vorurteile aufzulösen, gemeinsame Anliegen zu entdecken und Grenzen abzubauen, kurz: integral zu werden.
Beim diesjährigen, von Dynamik5, den ­Violetten, der IP-Schweiz und der Konvergenz-Gesellschaft organisierten Kongress für Integrale Politik wurde in der Planungsphase beinahe vergessen, dass das Holon-Netzwerk ebenfalls Mitorganisator war. Dies, weil inzwischen diejenigen, die in vielen ­Holontagun­gen als tragende Persönlichkeiten einen Grad an integra­lem Bewusstsein erreicht haben, das in ihrem jetzigen Wirken in neuen Projekten unter neuen Namen Ausdruck und Beachtung findet. Der in Holon gewachsene Geist entfaltet weiterhin Wirkung und könnte keinen schöneren Ausdruck finden als im kreativen Zusammenspiel des Organisationsteams, das je nach Bedarf spontan von den im Holon-Netzwerk vorhandenen Ressourcen Gebrauch machen konnte und so den Kongress zu einem Erfolg werden ließ, wie folgende Reaktion einer Teilnehmerin belegt: „[…] Wie schön, wenn im Auftaktvortrag Gil Ducommun von den Schwierigkeiten seiner Initiativen spricht und dies in Zusammenhang bringt mit noch nicht aufgearbeiteten Schatten im eigenen Inneren. Wie schön, dass er so viel Persönliches gleich im ersten Vortrag benannt hat – Persönliches und auch wieder nicht Persönliches, weil es für uns alle wichtige und auch gesellschaftsrelevante Themen sind: Was blockiert die eigene Freude und Spontanität, was machen wir mit unseren Aggressionen? […] Ich hatte große Freude an all diesen Vorträgen und Workshops; jeder/jede hat da mit großer Motivation, Kraft und Freude seines/ihres geteilt, mitgeteilt. Mich hat auch sehr berührt, Euer aller deutlich wahrnehmbares Bemühen um achtsames Miteinander und auch das Eingestehen von ‚Mist, wieder hab ich den anderen nicht ausreden lassen‘. Ja, überhaupt habe ich sehr viel Ehrlichkeit, Authentizität im Miteinander bei Euch gespürt; völlig ungewohnt ist das für mich, im Zusammenhang mit Politik; wie schön, das zu erleben! Das Ganze dieses Kongresses hat mir Kraft und Zuversicht gegeben und wichtige Impulse! Und auch eine Perspektive – wie Politik in Zukunft vielleicht aussehen könnte, welche Werte da wichtig sind.“

Gehör schenken (statt Geld zahlen)
Zum Abschluss des Kongresses war die Frage im Raum, wie wir nun das Erlebte in unseren Alltag integ­rieren können, denn erfahrungsgemäß kann der Versuch, mit anderen die Begeisterung zu teilen, schmerzhaft sein, wenn sie keine Resonanz im Erfahrungshintergrund des anderen findet. Integrale Politik kann sich vielleicht nur in dem Maß in unserem Umfeld entwickeln, wie wir selber authentisch wirken. Das braucht Zeit, Zeiten gemeinsamen Erlebens, Zeiten des Austauschs über unser Erleben, Zeit, einander zuzuhören. Wo ist es in Zeiten der Hektik und des Gerangels noch möglich, Gehör zu finden?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies sowohl an den Jahrestagungen des Holon-Netzwerks sowie an den regionalen, meist zweimonatlich stattfindenden, stammtischähnlichen Holon-Cafés optimal möglich war und ist. Nun hat aber das Holon-Netzwerk in der Zeit vor dem Kongress im deutschen Sprachbereich immer mehr an Bedeutung verloren, weil in den ursprünglichen tragenden Mitgliedsorga­nisationen ein Generationenwechsel in der Führungsetage stattgefunden hat und in der Folge die auf persönlichen Erfahrungen beruhende Motivation zur Teillnahme an den Holon-Tagungen verlorenging. Diese Motivation hätten wir vielleicht durch ein Angebot von Koryphäen als Vortragsredner neu schaffen können. Das in den Holon-Tagungen herangewachsene intergrale Bewusstsein ließ uns jedoch von dieser Art von Tagungsmuster Abstand nehmen, ja es sogar einem zu überwindenden alten Paradigma ­zuordnen. Dazu beigetragen hat, dass wir aus dem Einander-Zuhören Wertschätzung für die eigenen Ressourcen entwickelt haben. Daraus entstand immer mehr Diskrepanz zur Tatsache, dass nur wenige der „Koryphäen“ Bereitschaft zeigten, auch anderen zuhören zu wollen, also sich Zeit zu nehmen, um über ihren Vortrag hinaus anwesend zu sein. Auch bestand oft die Erwartung, für ihren Vortrag entlohnt zu werden. Im Zusammenwirken dieser Faktoren liegt ganz subtil ein Wertungsgefälle versteckt, das im integralen Bewusstsein einen Paradigmenwechsel erfahren hat. So bauen wir in der Folge darauf, dass wir, die wir eine andere Welt wollen, beginnen, einander unsere Kapazitäten zu schenken und wir durch das Zuhören der Beiträge anderer „entlohnt“ werden. Das „kostet“ Zeit, und dies ist ein Preis, der den Menschen, die dem alten Paradigma anhaften, zu hoch ist.

Avantgarde ausser Sichtweite
Man könnte versucht sein, zu sagen, dass wir mit unserem innovativen „Produkt“ Holon die 20%-Grenze an Innovation bei weitem überschritten und die Konsequenzen in Form von Mitgliederschwund zu verkraften haben – oder die Abwanderung in Projekte, wo Zeitinvestition „konkrete“ Früchte trägt. Das Wunder in diesem Wandel offenbart sich, wenn wir erkennen, dass der eben stattgefundene Kongress eine solche Holon-Frucht ist.
Holon hat durch die Abwanderung seiner Koryphäen vordergründig soviel Substanzverlust ­erlitten, dass nur ein einziges – in integralen Kreisen so verpön­tes – Ego übrig blieb, das sich dafür einsetzte, dass der Name Holon als Mitveranstalter auftauchte. Jemandem gegenüber sagte ich, als es um mitwirken­des Sein oder Nichtsein von Holon ging, halb im Spaß: „Holon – c’est moi!“ Ich mag damit deutlich machen, dass das Ego wichtig ist als eine Kraft, die, auch wenn sie allein auf weiter Flur steht, sich hinzustellen wagt, um ein Bedürfnis zu äußern, das im Dienst der von uns erwünschten Welt steht.
Ich plädiere für ein neues Paradigma, das die Auferstehung eines neuen Egos beinhaltet, das im integ­ralen Denken und Handeln verankert ist. Dieser Paradigmenwechsel wird schwierig zu vollziehen sein, wo doch so viele gerade daran sind, ihr Ego zu überwinden, und vermutlich scheitere ich mit meinem Egoverständnis vorläufig an der 20%-Hürde. Ich hoffe jedoch, dass da nicht im gleichen Aufwasch auch noch die Neubelebung von Holon verkannt wird.
Holon hat nämlich mit dem sogenannten Holon-Café eine neutrale Vernetzungsplattform anzubieten, das dort, wo es Verbreitung gefunden hat, der regio­nalen Vernetzung und dem Informationsaustausch über ideologische und andere Grenzen hinweg in höchstem Maß förderlich ist. Wie gesagt, dort, und nur dort, wo es bisher Verbreitung gefunden hat – und auch da nur bei den Mitwirkenden, die über lange Zeiträume präsent waren – ist das Bewusstsein gewachsen, um das visionäre, jenseits der 20%-Quote liegende integrale Potential erkennen zu können.
Das Holon-Café braucht einen tragfähigen Mutterschoß. Dieser wird einerseits gebildet aus dem Bekenntnis zur Holon-Vision, das namhafte Gruppierungen abgegeben haben, und andererseits aus integ­ral verankerten Individuen, die für die Realisierung dieser Vision sorgen.
Damit das visionäre Produkt Holon-Café für die Mitglieder des Vereins Integrale Politik nicht jenseits der 20%-Quote zu liegen kommt, präsentiere ich es vorerst als ihren Zielen dienend. Also z. B., dass es als optimales Instrument dient, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die interessiert sein könnten, ein regionales Treffen zum Thema Integrale Politik zu besuchen. Da mag man einwenden: „Wir haben ja schon regelmäßige Treffen zum Thema Integrale Politik, die Zeit reicht nicht aus, um solche, die mit unseren konkurrieren, zu besuchen.“ Doch in Anbetracht der Tatsache, dass viele Menschen, die integrales Bewusstsein entwickelt haben, beim Wort „Politik“ eine zu große Hemmschwelle spüren, könnte es sinnvoll sein, das Sowohl-als-auch-Prinzip anzuwenden. Wir müssen uns fragen, was möglichst viele der Menschen, die eine Bewusstseinsentwicklung durchgemacht haben und kulturell kreativ geworden sind, motivieren könnte, zu einem Treffen zu kommen. Die in den Holon-Cafés gemachten Erfahrungen zeigen deutlich: Sie möchten gesehen und gehört werden – also genau das, was auch wir Integralen möchten!
Dank der vorgegebenen Struktur des neutralen Holon-Cafés finden sich alle Anwesenden in einer Win-Win-Situation, da alle Raum haben, sich mitzuteilen: was sie an Freudigem oder Bedrückendem erlebt haben, ihre Fähigkeiten, Träume und Visionen, die Gründe ihres Scheiterns, ihre Bedürfnisse und Wünsche … Die Anwesenden hören einfach zu, ohne zu unterbrechen, ohne zu diskutieren. Sie spüren, zu wem sie Resonanz wahrnehmen und zu wem sie später vertiefenden Kontakt aufnehmen möchten. Und mehr noch: Sie sind nun Informationsträger und Multiplikatoren, die in ihrem Umfeld vielleicht genau die richtige Person finden, die schon lange gewartet hat auf eine der Möglichkeiten an Zusammenarbeit auf verschiedensten Gebieten, die sich nun auftun.
Damit das Holon-Café diese neutrale Struktur bewahren kann, braucht es Menschen, die regional dafür Sorge tragen, dass es mit regelmäßigem Abstand stattfindet, die dies mit Namen und Telefonnummer der Kontaktperson versehen dem Holon-Netzwerk zur Publikation auf der Holon-Webseite übermitteln, die Bekannte und andere Gruppierungen einladen, mitzuwirken und HüterInnen dieser Struktur zu sein.
Wer anders als die Menschen, die dabei sind, integ­rales Bewusstsein zu verwirklichen, könnte dieser allen dienenden Aufgabe mit Liebe und Langmut auf eine Art und Weise gerecht werden, dass der Mutterschoß letztlich nicht politisch, sondern „nur“ integral in Erscheinung tritt? ♠

Der Therapeut Willi Maurer ist Verbindungsperson zwischen den deutsch- und italienischsprachigen Netzknoten im europäischen Netzwerk Holon und Mitglied der Kerngruppe IP – Integrale Politik Schweiz (www.integrale-politik.ch)

  Autoren

Maurer, Willi

Partner
sge-button
© by Human Touch Medienproduktion GmbH, info@kurskontakte.de