Artikel
Kulturkreatives Spektrum (108)
Andere Welten (55)
Freie Gesundheitsberufe (22)
eurotopia (166)
Matriarchale Perspektiven (35)
Holon (77)
Editorial (30)
Briefe aus Amerika (6)
Anders Lernen (47)


Ausgabe 166 (12)
Ausgabe 165 (12)
Ausgabe 164 (12)
Ausgabe 163 (13)
Ausgabe 162 (13)
Ausgabe 161 (15)
Ausgabe 160 (12)
Ausgabe 159 (11)
Ausgabe 158 (13)
Ausgabe 157 (11)
Ausgabe 156 (15)
Ausgabe 155 (13)
Ausgabe 154 (12)
Ausgabe 153 (16)
Ausgabe 152 (12)
Ausgabe 151 (13)
Ausgabe 150 (14)
Ausgabe 149 (14)
Ausgabe 148 (16)
Ausgabe 147 (13)
Ausgabe 146 (13)
Ausgabe 145 (13)
Ausgabe 144 (11)
Ausgabe 143 (13)
Ausgabe 142 (12)
Ausgabe 141 (13)
Ausgabe 140 (15)
Ausgabe 139 (14)
Ausgabe 138 (12)
Ausgabe 137 (11)
Ausgabe 136 (14)
Ausgabe 135 (12)
Ausgabe 134 (8)
Ausgabe 133 (6)
Ausgabe 132 (9)
Ausgabe 131 (9)
Ausgabe 130 (10)
Ausgabe 129 (8)
Ausgabe 128 (9)
Ausgabe 127 (8)
Ausgabe 126 (6)
Ausgabe 125 (8)
Ausgabe 124 (9)
Ausgabe 123 (6)
Ausgabe 122 (7)
Ausgabe 121 (7)
Ausgabe 120 (3)
Ausgabe 119 (5)
Ausgabe 118 (1)
Ausgabe 115 (1)
Ausgabe 114 (11)

Zuletzt besucht
Artikel: Forum: Matriarchale Lebensformen (Teil 1)

Artikel: Josés Traum

Artikel: Subjekt Kind

Artikel: Im Namen von Pachamama

Artikel: Eine Welt im Gleichgewicht


Über uns
Impressum
Träumen, Planen, Handeln, Feiern
erschienen in Ausgabe 161  PDF-Version (156.17 KB)
Kosha Joubert stellt die von John Croft entwickelte Methode des Dragon Dreaming vor.

Mit den Herausforderungen auf unserem Planeten wächst auch die Notwendigkeit von erfolgreichen und zukunftsorientierten Projekten, die von vielen Menschen getragen und entwickelt werden. Dragon Dreaming ist eine von John Croft in Australien entwickelte Methode, die Menschen unterstützt, aus ihren Träumen gemeinsam Realität zu erschaffen. Kosha Joubert begleitet John Croft bei der Einführung der Methode in Deutschland.

Wir erschaffen als Menschen unsere Realität gemeinsam. Das bedeutet auch, dass wir es sind, die den Weg aus Umweltkrise, Wirtschaftskrise und Sinnkrise hin zu einer neuen Ebene des Miteinanders auf diesem Planeten finden können. Wir können die Krise nutzen als Ansporn für unseren Lernprozess als Menschheit, hin zu einem tieferen Mitfühlen, zu mehr Kooperation miteinander und dem Leben.
Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, Verantwortung zu übernehmen, und suchen nach sinnvollen Antworten in einer komplexen Realität. „Alleine kannst du den Weg nicht gehen, aber nur du kannst ihn gehen“ heißt es in einem Lied der mexikanischen Zapatisten.
Wie schaffen wir es aber, aus vielen individuellen Wegen gemeinsame Projekte zu entwickeln?
Es ist leider nicht selbstverständlich, dass wir Menschen uns gegenseitig steigern. Allzu oft ist das Gegenteil der Fall – der kleinste gemeinsame Nenner ist das Niveau, auf das wir uns einigen. Viel zu oft scheitern gute Projekte an zwischenmenschlichen Reibungsverlusten und einem Mangel an gemeinsamer Ausrichtung. Faszinierend sind allerdings die anderen Momente, in denen es uns gelingt, uns gemeinsam zu kreativen Höhenflügen aufzuschwingen.
Ich glaube, die notwendige Weisheit für Antworten ist vorhanden, wenn wir menschliche Intelligenz so zusammenführen, dass das Ganze mehr wird als die Summe seiner Teile (Synergie).
Dafür gibt es Prinzipien, Methoden und Werkzeuge, die gerade entwickelt werden. Eine Methode, die mich begeistert, weil sie den Weg der kollektiven Intelligenz bis zur letztlichen Umsetzung begleitet, ist Dragon Dreaming.

Dragon Dreaming ist in Australien entstanden
Die Methode wurde in Australien entwickelt und ist inspiriert von Einsichten aus der Chaos- und Komplexitätstheorie, der Systemtheorie und uralten Weisheiten der Aborigines. Ihre Anwendung zielt auf Kulturverwandlung, auf die Integration von Aspekten, die wir kulturgeschichtlich gewöhnt sind zu trennen: linke und rechte Gehirnhälfte, Intuition und Logik, uns selbst und unsere Umwelt, Denken und Tun, Arbeit und Spiel. Sie setzt auf Kooperation. John Croft, gebürtiger Australier und einer ihrer Urheber, ist für drei Jahre nach Deutschland gekommen und teilt großzügig sein Wissen mit allen, die bereit sind, sich auf die spannende Reise einzulassen.
Dragon Dreaming baut auf die Kraft unserer Träume und Visionen, um den Sog der Zukunft anzuzapfen. Es gibt immer eine Kluft zwischen dem, was ist, und dem, wohin unsere Sehnsucht uns zieht. Oft finden wir uns damit ab, dass die Dinge nun mal so sind, wie sie sind, statt die Sehnsucht ernstzunehmen und ihr zu folgen. Dragon Dreaming hilft uns, zusammenzufinden und eine Brücke zu bauen, die auf das zielt, was im schönsten Fall sein könnte.
Dragon Dreaming stellt ein kraftvolles Werkzeug dar, um Menschen zu befähigen, erfolgreiche und freudvolle Projekte auf die Beine zu stellen. Die ersten Versuche sind gestartet: Lassen sich die Erfolge, die Croft mit der Methode in Australien erzielt hat, hier in Deutschland wiederholen?
Jedes Projekt beginnt mit der Imaginationskraft eines Individuums. Es wird eine Zukunftsgestalt gesehen, die lockt. Wir stehen an der Schwelle zwischen dem, was gewesen ist, und der Zukunft, die sein könnte. Mitten im Jetzt. Wie kraftvoll ist unser nächster Schritt?
Neunzig Prozent aller Projekte sterben schon in uns, sie erblicken nie das Tageslicht, werden noch nicht mal in Worte gefasst. Von den Projekten, die über die erste Hürde hinaus in die Welt treten, kommen wiederum 90 Prozent nicht über das Stadium des Planens hinaus. Und von den wenigen Projekten, die tatsächlich realisiert werden, gehen wiederum 90 Prozent nach kurzer Zeit ein. John Croft zufolge liegt das daran, dass wir dazu neigen, einen wichtigen Bereich des gesunden Projektkreislaufs von Träumen – Planen – Handeln – Feiern zu vergessen, nämlich das Feiern. Ohne eine gesunde Kultur des Feierns nähren wir uns nicht genügend und verlieren früher oder später die Freude am Tun.
Insgesamt liegt die prozentuale Umsetzungsquote unserer guten Ideen wahrscheinlich ähnlich niedrig wie die Befruchtungsquote männlicher Spermien. Die Welt könnte eine kreativere Interaktion mit mehr Menschen durchaus vertragen. Dragon Dreaming weist einen dahin Weg auf.

Einzelne Schritte
Der Anfang des Projekts wird mit einem Traum- oder Visionskreis gesetzt. Ein inspiriertes Individuum lädt Menschen ein, die als Kooperationspartner in Frage kommen, und breitet seine/ihre Vision vor ihnen aus. Die Projekt-Idee sollte dabei den Dragon-Dreaming-Kriterien entsprechen:
! Wir verändern uns individuell. Während der Durchführung des Projekts entdecken wir neue Seiten an uns selbst und erlernen neue Fähigkeiten. Es geht um unser persönliches Wachstum.
! Wir wachsen als Team zusammen in der Erfahrung, dass das Projekt erfolgreich ist, wenn jeder seinen/ihren stimmigen Platz im Ganzen findet und die Herzensvisionen aller gehört und in die Zielsetzung aufgenommen werden. Es geht um Gemeinschaftsaufbau.
! Wir finden Sinn und Bedeutung in unserem Tun durch die Rückkoppelung mit unserer Umwelt. Wir stellen uns in den Dienst des Ganzen und fördern Vielfalt, Kreativität, Leben.
An dem Punkt der individuellen Projektvorstellung sollte die eigene Begeisterung erstrahlen. Es geht schließlich dar­um, ein Feuer zu entzünden und den eigenen Wirkungskreis zu vergrößern. Danach kommt allerdings schon bald ein Moment, den wir gerne vermeiden, aber um den wir nicht herumkommen, wenn wir gemeinschaftlich wirksam werden wollen: Das Projekt muss als unser individuelles Projekt losgelassen und als Projekt der Gruppe wiedergeboren werden.
Die Frage, die nun der Gruppe gestellt wird, lautet: „Was
müsste während dieses Projekts geschehen, damit du danach weißt, dass du deine Zeit nicht sinnvoller hättest verbringen können?“ Es ist die Frage danach, wie sich „mein Traum“ mit „deinem Traum“ verbinden lässt. Was motiviert uns, unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit einem Projekt zu widmen? Die Gruppe spricht intensiv, in mehreren Runden, wobei jeder Geistesblitz in anderen neue Funken wirft, bis schließlich der Inspirationsfluss in langsamere Gefilde kommt und endlich verebbt. Aus diesem Kreis entsteht das lebendige „Traummanifest“ des Projekts. Lebendig bleibt das Manifest, weil immer wieder hinzugefügt werden kann und immer wieder darauf Bezug genommen wird.
Als nächstes werden Informationen eingeholt und Strategien für die Umsetzung dieses Manifests entwickelt. Die Kunst besteht darin, die Träume der anderen innerlich so anzunehmen, dass für alle mitgedacht wird.
Schließlich wird aus den Strategien ein Projektdesign erstellt, dass sich Karrabyrrdt nennt (Spinnennetz): ein komplexes Netzwerk von „Songlines“, die von dem Jetzt in die Zukunft führen, um langsam, aber sicher, den Traum wachzusingen. Dort, wo sie sich kreuzen, entstehen Knotenpunkte. Das sind Treffpunkte für Menschen, die ihr Wissen und Können zusammentragen, um die Realisierung des Projekts einen Schritt weiterzubringen.

Das Karrabyrrdt – der Spielplan
Das Karrabyrrdt kann zu einem Kunstwerk gestaltet werden, welches das Wesen und die organische Komplexität des Gesamtprojekts intuitiv erfassbar macht, während gleichzeitig viele Einzelinformationen vermittelt werden: Welche Schritte sind insgesamt notwendig für die Realisierung? In welcher Reihenfolge? Welche Querverbindungen gibt es zwischen verschiedenen Bereichen, wie können sie sich gegenseitig befruchten? Welche Menschen wollen sich an welchen Punkten einsetzen? Wo gibt es noch einen Bedarf? Was wurde schon erledigt, was steht als nächstes an? Was ist das Gesamtbudget des Projekts, bzw. wie hoch sind die Budgets von einzelnen Abläufen?
Der Spielplan ermöglicht eine organischen Rollenverteilung: Menschen können an den Stellen mitwirken, wo sie sich wirklich einbringen wollen. Es müssen keine statischen Arbeitsgruppen gegründet werden, sondern diese entstehen und vergehen natürlicherweise im Tun. Insgesamt kann der Spielplan einen Großteil der Protokolle und Vorbereitungen für Organisationstreffen überflüssig machen: Es wird immer direkt sichtbar, wie das Projekt vorankommt, was bisher geschehen ist und was als nächstes ansteht. Dadurch fällt es auch leichter, das Feiern der Erfolge und des Gelernten nicht aus dem Auge zu verlieren.
Um die Arbeit mit dem Spielplan weiter zu erleichtern, experimentieren wir im Moment mit einer Open-Source-Software (yEd). Die Software ermöglicht die elektronische Erstellung von Spielplänen und macht ihre Vernetzung mit- und ihre Verschachtelung ineinander möglich. Die Umwandlung von Spielplänen zu Gantt-Charts (Projekt-Darstellung auf Zeitstrahlen) und Finanzplänen wird möglich. Individuen können ihren ganz persönlichen Weg durch das Projekt hervorheben und schnell Klarheit über die nächsten Schritte bekommen. In Zukunft können dann Karrabyrrdts nach Treffen partizipativ über Internet weiter verfeinert werden: Alle Beteiligten können den Plan aktualisieren und einsehen. Teilnehmer können benachrichtigt werden, sobald ein Schritt abgeschlossen ist, der Voraussetzung war für ihr weiteres Vorgehen.

Finanzielle Umsetzbarkeit
Erfolgreiche Projekte brauchen eine stabile wirtschaftliche Basis. Ein Großteil unserer gefühlten Machtlosigkeit bezieht sich auf das Thema Geld. An der Schwelle zur Realisierungsphase ist einer der essenziellen Tests für das Gelingen eines Projekts der Erfolg des Fundraisings. Empowered Fundraising möchte uns dazu inspirieren und befähigen, Geld zu beschaffen und im Sinn unserer Werte und unserer Visionen einzusetzen. Es geht dabei in erster Linie um Kontakt zu den Menschen, die wir ermuntern, durch ihren finanziellen Beitrag ein Teil unserer Projekte zu werden. Die Heilung unserer Beziehung zu Geld ist Grundlage dieser Arbeit. ♠





Kosha Joubert im Interview mit John Croft

Kosha Joubert: Weshalb wird der Traumkreis „Traumkreis“ genannt und nicht „Visionskreis“? Sind Träume nicht viel zu vergänglich und illusionär, um unsere Projekte auf ihnen aufzubauen?

John Croft: Die Kultur der australischen Aborigenes wusste, dass unsere Träume uns Zugang verschaffen zum kollektiven Bewusstsein der Menschheit, eine Idee, die später von C. G. Jung entwickelt wurde. Wir tendieren dazu, Träume als vergängliche und subjektive Phänomene zu betrachten, und wir glauben, dass unsere lineare Sicht der Zeit der objektiven Realität entspricht. Die Quantenmechanik und die Neue Physik sagen uns, dass diese von Newton geprägte Art, die Zeit zu sehen, überholt ist. Durch unser Beharren darauf, dass Zeit Geld und Zeitersparnis effizient ist, beschleunigt unsere Kultur das Absterben menschlicher Gemeinschaft und natürlicher Ökosysteme. Das Träumen verschafft uns Zugang zu einem zeitlosen Raum des „Immerdar“ und schafft dadurch einen kreativeren Raum – Muße, die wir brauchen, um Lösungen zu finden für die großen Fragen unserer Zeit.

● Wie kann der Prozess von Dragon Dreaming die Gemeinschaftsbewegung unterstützen?

Die große Wende, die unsere Kultur gerade macht, von der Separation, Destruktion und dem krebsartigen Wachstum hin zu der Verbundenheit, der Vielfalt, der Kooperation und der weisen Förderung des Lebens, ist der radikalste Übergang, den unsere Welt seit dem Aussterben der Dinosaurier von 65 Millionen Jahre gesehen hat. Um ihn erfolgreich zu meistern, brauchen wir die Freisetzung des kreativen Potenzials von jedem Menschen auf diesem Planeten. Dragon ­Dreaming zeigt, wie wir durch den Aufbau von Gemeinschaft, durch ein einfaches, gewaltfreies Leben, durch den Erhalt von Wissen sowie durch Achtsamkeit dem Leben gegenüber diese Kreativität in einem noch nie versuchten Ausmaß entfesseln können.

● Was ist die Verbindung zwischen Dragon Dreaming und dem Transition Town Movement?

Das Transition Town Movement (siehe vorangegangenen GEN-Artikel oder www.transitionculture.org) begegnet den Fragen unserer Zeit – wie Peak Oil, Klimawandel und der Verlust an Biodiversität – nicht als unüberwindbare Probleme, sondern als gesunde Herausforderungen für persönliche, gemeinschaftliche und planetare Weiterentwicklung. Sie stimulieren unsere Neugierde, unseren Enthusiasmus und die Wiederentdeckung unserer kollektiven Kraft als Menschen, die einen positiven Beitrag zur Gestaltung der Zukunft leis­ten wollen. Dragon Dreaming stellt den Menschen, die sich zu dieser Haltung entscheiden, wichtige Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sie durchschlagend erfolgreiche gemeinschaftliche Projekte umsetzen können.

● Welche Wirkung kann das auf der gesellschaftlichen Ebene haben?

Ich erinnere mich an einen Cartoon, den ich vor Jahren in die Finger bekam: Auf dem ersten Bild war ein Mensch abgebildet, der sagte: „Ich bin nur ein Mensch, was kann ich schon tun?“ Auf dem zweiten Bild waren ungefähr 10 bis 15 Menschen abgebildet, jeder sagte: „Ich bin nur ein Mensch …“. Im letzten Bild waren Tausende, die alle sagten: „Ich bin nur ein Mensch!“ – Das ist der Mythos mit dem wir leben, ein Mythos der persönlichen Entmachtung, die es ermöglicht, Menschen zu kontrollieren, so dass sie ihr Leben in destruktiven Arbeitsverhältnissen verbringen. Wenn nur ein Mensch den Schritt macht und jeden Tag nur einen anderen Menschen dazu ermächtigt, den Schritt auch zu tun, und dieser das Wissen auch weiterreicht, brauchen wir nur 33 Tage, um jede Frau, jeden Mann, jedes Kind auf diesem Planeten zu erreichen: in kaum mehr als einem Monat wäre die Welt verändert. Wir brauchen eine weltweite Mobilisierung von Ressourcen, um die komplexen Lebenszusammenhänge auf unserem Planeten zu erhalten. Dragon Dreaming ist ein Prozess, der so eine Wirkung haben kann. ♠



  Autoren

Joubert, Kosha

Partner
sge-button
© by Human Touch Medienproduktion GmbH, info@kurskontakte.de