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Impressum
Gemeinsam Handeln
erschienen in Ausgabe 161  PDF-Version (150.02 KB)
Das auf dem Kongress für Integrale Politik erarbeitete Manifest.

Die „Vereinbarung zum gemeinsamen Handeln“, wie sie auf dem letztjährigen Kongress für Integrale Politik in Vorarlberg getroffen wurde, liegt nun endlich in der endgültigen Fassung vor. Die Erstveröffentlichung des Wortlauts geschieht hier in der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen die darin enthaltenen Erkenntnisse, Ziele und Forderungen mittragen und das Manifest mit ihrer Unterschrift stärken (siehe Schluss des Artikels).

Immer mehr Menschen haben erkannt, dass für die Stärkung des Gemeinwohls, die Bewahrung der Schöpfung und die vitale Weiterentwicklung der Demokratie ein neues Politikverständnis gefunden und gelebt werden muss. Dies setzt ein neues, umfassendes Bewusstsein voraus, das wir als „integral“ bezeichnen. Der Begriff des „integralen Bewusstseins“ beinhaltet und fasst zusammen, was viele Menschen etwa unter Weisheit, Spiritualität oder Herzensintelligenz im individuellen und kollektiven Sinn verstehen.
Die Probleme und Aufgaben, die sich heute global zeigen, können und sollen nicht von einer Handvoll Entscheidungsträgern gelöst werden. Dazu bedarf es der politischen Mitwirkung breiter Bevölkerungsschichten, die Verantwortung übernehmen.
Die Menschen, die beim Kongress zusammengekommen sind, stehen in diesem neuen Bewusstsein und sind bereit, diese Verantwortung ­wahrzunehmen. Sie fühlen in sich eine Verpflichtung, über ihr bereits begonnenes individuelles Engagement hinaus gemeinsame Schritte für einen tiefgreifenden Wandel zu vereinbaren und umzusetzen.

Ausgangslage
Wir schätzen die immensen Errungenschaften der Moderne sehr und möchten sie nicht missen. Dennoch, das einseitig materialistische Welt- und Menschenbild, das im Gefolge der Aufklärung auftrat, und der Glaube an eine exponentielle Wachstumswirtschaft erweisen sich deutlich als schwerwiegende globale Verirrungen.

1. Das Psychisch-Individuelle,
2. das Sozial-Kollektive und
3. das Ökologisch-Weltzentrische

Diese Weltproblemfelder wurzeln zu einem erheblichen Teil in der Irreleitung der menschlichen Bedürfnisbefriedigung.
–Das psychisch-individuelle Problemfeld umfasst das Gefühl der Überforderung vieler Menschen mit dem Leben und den damit in Zusammenhang stehenden Depressionen, Sinnkrisen, Suchtverhalten, verstärkter Gewaltbereitschaft und egozentrischem Verhalten.
–Das soziale Problemfeld umfasst die weltweit grassierende Armut und Ausbeutung von Menschen, das Zusammenbrechen tragender menschlicher Lebensgemeinschaften, Vereinzelung und infolgedessen Vereinsamung von immer mehr Menschen und die Ausgrenzung benachteiligter Mitbürgerinnen und -bürger.
–Das ökologische Problemfeld umfasst das allmähliche Zusammenbrechen der ökologischen Systeme und, daraus resultierend, die Bedrohung der Lebens­existenz aller Menschen und Wesen auf der Erde.
Integ­rale Politik sucht nach konkreten Lösungen im Hinblick auf diese drei großen Problemfelder. Sie will dabei nicht die Symptome, sondern deren Ursachen angehen.
Die nicht-materiellen Bedürfnisse jedes Menschen und aller Wesen dieser Erde, wie Zuneigung, Zugehörigkeit, Gerechtigkeit, Kreativität, Sinn und letztliche Geborgenheit, können nicht auf der materiellen Ebene von Konsum und Besitz befriedigt werden. Der heute dominierende Materialismus versucht jedoch, die menschlichen Bedürfnisse in Form von Einkommen, Konsum und Vermögen hauptsächlich auf der materiellen Ebene zu stillen. Dieser Versuch muss scheitern. Unbefriedigte immaterielle Bedürfnisse führen zu innerer Unzufriedenheit, Unersättlichkeit gegenüber materiellen Ansprüchen und Flucht in Ersatzbefriedigungen. Sucht – zum Beispiel nach Alkohol, sonstigen Drogen, übermäßigem Essen, Besitz und Macht – zerstört einerseits den Menschen, andererseits den Frieden in der Gesellschaft. Die beträchtliche Ungleichheit an Besitz, Konsum und an Entfaltungsfreiheit ruft Unfrieden hervor. Uferlose materielle ­Ansprüche beeinträchtigen heute das dynamische Gleichgewicht der Natur und zerstören zunehmend die Lebensgrundlagen und Lebensräume. Das durch das fehlgeleitete Finanzsystem erzeugte Wirtschaftswachstum, besonders in den Industrieländern, nährt sich heute wesentlich von dieser Dynamik der Nachfrage nach Ersatzkonsum.
 
Ziele
Als Oberziel ergibt sich aus diesen Zusammenhängen: die größtmögliche Befriedigung der Bedürfnisse und Entfaltung aller Seinsebenen der Menschen im Zusammenhang mit allen Wesen der Erde und der Erde selbst. Zur Erreichung dieses Ziels stehen folgende individuelle und kollektive Veränderungen an:

1. Psychisch-individuelle Veränderungen
Der einseitige Materialismus als Anhaften an Konsum und Besitz muss überwunden, die materielle Basis jedoch – zu der auch die Natur gehört – gleichzeitig mit aller Achtsamkeit gepflegt werden. Materielle Bescheidung wird dann möglich, wenn auch die nicht-materiellen Bedürfnisse befriedigt werden.
An die Stelle des materiellen Wachstums tritt emotionales und geistig-spirituelles Wachstum von Individuum und Gesellschaft, das sich in einer Verstärkung des Mitgefühls für alles Seiende ausdrückt. Jeder einzelne Mensch übernimmt dafür die Verantwortung.

2. Sozial-kollektive Ziele 
–Die Stärkung demokratischer Strukturen an der Basis.
–Das Errichten von seelentragenden, selbständigen und vernetzten Lebensgemeinschaften mit mehr Möglichkeiten zur Selbstversorgung.
–Die Stärkung des Subsidiaritätsprinzips, indem der jeweils untersten Ebene Priorität eingeräumt wird.

3. Ökologisch-weltzentrische Ziele
–Eine sinnvolle Form des Wirtschaftens, das heißt eine am wirklichen Bedarf der Menschen orientierte materielle Grundlage der Güterproduktion und -verteilung, die auf Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit beruht.
–Ein Geldsystem, welches den Wachstumszwang des Wirtschaftslebens beendet und dem Leben dient.
–Stärkung der Regionen statt Zentralisierungen und Machtkumulationen.
–;Es gilt, an der Kultur der Freiheit, Weisheit und Liebe weiterzubauen, die als kosmisch-evolutive Kraft erkannt wird.

Handlungen und Maßnahmen
Beim Kongress für integrale Politik konnte ein gemeinsamer Handlungswille aufgebaut werden. Diese Menschen möchten einen gemeinsamen Atem erzeugen, der es ihnen erlaubt, das entstandene Gefühl der Gemeinschaft und Solidarität über den Kongress hinaus zu erhalten, um dadurch im Sinn des oben genannten Zielsystems tätig zu werden.
Die nachfolgenden Handlungsfelder beruhen auf den Wünschen und Gedanken der KongressteilnehmerInnen. Sie sind in langfristige und kurzfris­tige Handlungsmöglichkeiten gegliedert und sollen in konkrete Projekte münden. Sie können auch nach dem Kongress erweitert oder verändert werden.
–Verstärkung bereits bestehender Lösungsansätze (sofort). Wir sehen, dass überall bereits zahlreiche segensreiche und sinnvolle Einrichtungen und Handlungsfelder auf allen Gebieten der Kultur entstehen. Wir möchten diese stärken und unterstützen.
–Bildung lebendiger und seelentragender Gemeinschaften (sofort und langfristig). Lebensgemeinschaften sind für den Menschen (über-)lebensnotwendig und sinnvoll für seine seelische und geistige Entwicklung. Kultur kann sich nur kollektiv entfalten. Daher sollte der Tendenz der Vereinzelung entgegengewirkt werden.
–;Direkte Demokratie. Eine Kultur der Liebe bedingt, dass möglichst alle Menschen an Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Der dazu erforderliche Prozess ist eher als langfristig einzustufen. 
–Medien (sofort und langfristig). Wir wollen ­Medien installieren, die unsere Anliegen, die auch das Anliegen vieler anderer Gruppierungen sind, verbreiten. Dazu sind kurz- und langfristige Wege einzuschlagen: Kurzfristig suchen wir die Kooperation mit bestehenden Medien. Langfristig gilt es, ­Gelder zu generieren, um ein globales Netz von Medien zur Bewusstseinsbildung zu etablieren (durch Stiftungen usw.).
–Parteien (sofort). Wir stärken und unterstützen die bestehenden und im Entstehen begriffenen politischen Kräfte. Zur Zeit sind das z.B. Die Violetten (Deutschland) und die „ip“ (Integrale Politik Schweiz).
– Vernetzung Gemeinschaftsbewegung (sofort). Netzwerke wie Holon unterstützen (neutrale Begegnungsplattformen wie das „Holon-Café“), um uns mit den Menschen zu verbinden, die ebenso wie wir nach einer neuen, integralen Kultur suchen. Mit Kongressen und Anlässen Menschen zusammenbringen, und so zu einem immer größeren Netzwerk werden.
– Finanzsystem Regionalgelder (sofort). Als Einstieg in eine grundlegende Finanzreform unterstützen wir Regio- und Komplementärwährungen.
– Subsidiarität und Weltföderalismus (langfristig). Wir möchten, dass Entscheidungen wieder näher bei den Menschen fallen. Deshalb unterstützen wir im Sinn echter Subsidiarität alle Bestrebungen, zentralstaatliche Souveränität und Entscheidungskompetenzen, wo immer möglich, in die Regionen zu verlagern. Gleichzeitig sehen wir die Notwendigkeit, ethische und demokratische Prinzipien auch weltweit zu stärken. Langfristig streben wir daher den Umbau der UNO in eine demokratisch legitimierte Weltföderation an.
– Europa der Regionen, Charta für ein demokratisches Europa (sofort). Wir sehen eine europäische Verfassung im Entstehen, die für lange Zeit eine extreme Konzentration von politischer Macht in wenigen Händen zur Folge hätte. Dies würde viele Bestrebungen im Hinblick auf unser Oberziel in ihrer Umsetzung gefährden. Daher werden wir eine Charta für ein demokratisches Europa als Alternative entwickeln und möglichst vielen Menschen vorschlagen.  
– Bildung und Pädagogik (langfristig). Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft von morgen sind die Kinder von heute. Schutz der natürlichen Anlagen, Bildung und Pädagogik sind vom Zwang wirtschaftlicher Interessen zu befreien. Pädagogische Bestrebungen und Bildung sollten auf einem integralen Menschen- und Weltbild beruhen. Alle Menschen sollten die Möglichkeit zur Entfaltung der in ihnen schlummernden Potenziale erhalten.

Schlussakkord
Wir streben eine Gesellschaftsordnung an, in der Selbsterkenntnis durch die individuelle spirituelle Entwicklung, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Kreativität, offene Kommunikation, ökologisches Denken, Gewaltfreiheit, Freiheit im Geistesleben, Menschlichkeit im Wirtschaftsleben, Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit aller, Toleranz und Selbstverantwortung obenan stehen. In diesem Sinn betreten wir die von uns als notwendig erachteten Handlungsfelder. Wir tun dies in Gelassenheit und mit Freude sowie mit Rücksicht auf unsere Kräfteressourcen. ♠


Die Trägerorganisationen: • dynamik5 Schweiz und dynamik5 Deutschland e.V. • ip (Integrale Politik) Schweiz • Die Violetten Deutschland • Holon-Netzwerk Schweiz und Deutschland • Konvergenz-Gesellschaft Deutschland

Wenn Sie das Manifest unterstützen wollen, ­schreiben Sie bitte folgenden Text: „Hiermit erkläre ich meine/unsere Zustimmung zum Manifest des ersten Kongres­ses für integrale Politik 2008 in St. Arbogast“, versehen mit Namen (und ggf. Organisation), Unterschrift und – wenn gewünscht – Adresse und Telefon), an:
Sekretariat dynamik5, CH-3000 Bern,
info@dynamik5.org oder
Konvergenz-Gesellschaft, Methfesselstraße 4,
37581 Bad Gandersheim


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