Liebe Leserin,lieber Leser,
„Wäre die Welt eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet!“
So titeln die Greenpeace Nachrichten 2/09. Klingt flott. Aber – ist nicht die ganze Welt eine einzige, die wahre Bank? Erfüllt sie nicht den Traum, den der Kapitalismus so fehlgeleitet träumt: den Traum vom unerschöpflichen Reichtum? Nun sieht die gegenwärtig den Globus dominierende Weltsicht Reichtum als statische Größe des materiellen Ansammelns, Speicherns, Habens und vor Verlust Verteidigens. Selbst in dem Zitat kommt etwas davon zum Ausdruck: Ich fühle nicht das nötige Reframing (das In-einen-anderen-Rahmen-Setzen), das mit Wörtern wie „Bank“ – oder „Rettung“, „Reichtum“, „Arbeit“, „Geld“, „Glück“ etc. – unbedingt geschehen müsste: Wenn wir den lebensfördernden Impuls des Wandels auf alles ausdehnen wollen, was zum Leben in der Post-Kollaps-Gesellschaft gehört, muss auch die „Bank“ so verstanden werden, wie sie wörtlich gemeint ist: nämlich (von italienisch banco) „Ladentisch“, „Theke“, „Marktstand“.
Jaja, der wahre Reichtum liegt im eigenen Inneren – würde ich anderes an dieser Stelle zu sagen wagen? … Aber, liebe Frauen und Männer, wenn wir das Wort „Reichtum“ nicht auch im Äußeren bald für uns ergreifen und es in den richtigen Rahmen zurückversetzen, dann gerät unser Konto, das die einzige wahre Bank für uns 6,7 Milliarden Menschen Tag für Tag aufs neue füllt, endgültig in den roten Bereich. Der richtige Rahmen für „Reichtum“ ist flüssig, beweglich, prozesshaft. Er bezeichnet die Fülle des strömenden Lebens, das weder sammelt, noch speichert, noch hat bis in alle Ewigkeit, das sich vielmehr üppig verausgabt, das reift und loslässt, frei ist und vergeht, das im Vergehen den Boden bildet, aus dem erneut neues, in diesem Sinn reiches Leben hervorgeht.
In diesem Strom verbrauchen wir die geschenkten Güter der wahren Bank, unsere Lebens-Mittel, die unsere Bank ständig neu hervorbringt – solange wir sie richtig führen. Und das bedeutet nun mal, statt unseren Share (Anteil) zu verlangen, unsere Hingabe einzulegen. Den materiellen Kredit, der uns ernährt, dürfen wir immateriell rückzahlen mit Kümmern, Lieben, Sorgen und Feiern, mit der Arbeit an dem, was den Menschen ausmacht. Der Zins dieser Bank bemisst sich im stetigen Wachstum des Gemeinsinns, der Ertrag heißt am Ende Frieden und Ausgleich, die Bilanz weist am Ende keine Verlierer auf, keinen Hunger und keinen Krieg.
In den Wind gesprochen? Das Grönlandeis schmilzt schon wieder schneller, als kürzlich erst vorausgesagt?
Soll der Greenpeace-Spruch Tiefe gewinnen, dann liegt die Rettung darin, dass wir nicht auf „die anderen“ verweisen. Dann müssen wir selbst auf unseren Marktständen unsere besten Fähigkeiten anbieten, mit denen wir das Haben verflüssigen – und statt Geld Glück schaffen.
Ich sage in letzter Zeit immer dasselbe ...
Johannes Heimrath
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