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Übergänge überall
erschienen in Ausgabe 164  PDF-Version (229.53 KB)
John Croft war auf der 2. internationalen Konferenz der Transistion-Town-Bewegung dabei, die vom 22. bis 24. Mai in London stattfand.

Das war und ist die zentrale Botschaft der Veranstaltung: „Wir leben am Ende eines Zeitalters, das auf billigem Öl basierte und seine Verbrennungsgase einfach in die Atmosphäre blies, so dass wir nun mit einem Klimawandel konfrontiert sind. Was für eine wunderbare Gelegenheit, eine neue Welt aufzubauen, die für alle gut ist.“
Die Konferenz wurde auch von Politikern aufmerksam verfolgt. Ed Moilbrand, britischer Minister für Energie und Klimawandel, hat diese schnell wachsende, junge Bewegung als „absolut notwendig“ bezeichnet. Viele Politiker sind bereits mit ihr in irgendeiner Form verbunden, und im letzten Jahr stand das „Transition Handbook“ auf Platz 5 der sommerlichen Lektüre-Liste der britischen Parlamentarier.
Von Totnes in Devon ausgehend, ist in nur drei Jahren eine Bewegung herangewachsen, zu der sich mittlerweile 170 Dörfer, Klein- und Großstädte in 30 Ländern bekennen. Tausende weitere orientieren sich am Transition-Modell.
Die Transition-Bewegung hält eine Rückkehr zu lokalen und regionalen Größenordnungen für unvermeidlich, und je früher wir anfangen, eine solche Infrastruktur zu schaffen, desto leichter wird der Übergang sein. Dieses Unterfangen ist für Einzelne zu groß, aber Gemeinden und Gemeinschaften können es angehen. Einige haben schon angefangen zu experimentieren, wie so ein Wandel geschehen kann. Politiker und Unternehmer werden folgen, wenn immer mehr Menschen damit anfangen.

Fortschritte
Rob Hopkins, der den Anstoß zu der Transition-Bewegung gab, sagt über sie: „Wir haben einfach einiges ausprobiert und geschaut, was funktioniert und was nicht ... Genau genommen sind wir immer noch in diesem Stadium“. Aber es fand dennoch eine bemerkenswerte Entwicklung seit der ersten Konferenz statt. Damals gab es nur einige wenige Orte mit deutlichen Fortschritten und eine Menge Neuanfänger. Dieses Jahr gab es ebenfalls viele „Neu-Starter“, aber viel mehr gehörten zu den „Fortgeschrittenen“, und der Abstand zwischen ihnen hat sich verringert. Ein weiterer Unterschied war, dass einige Gruppen sich über die ersten Phasen der Vision und Planung hinaus bewegt haben und dabei sind, ihre gemeinschaftlich entwickelten Ideen zu verwirklichen. Zum Beispiel hat das Totnes-Projekt Lebensmittel-Kooperativen aufgebaut, Gaststätten und Restaurants mit regionalen Produzenten verbunden. Viele Verbraucher versorgen sich über eine gemeinschaftlich unterstützte Landwirtschaft, d. h. die Verbraucher treffen mit einem lokalen bzw. regionalen Bauern Vereinbarungen über Produk­tion und Preise und garantieren ihm so einen verlässlichen Markt. Schon 800 Menschen in Totnes (das sind 10 % der Einwohnerschaft) nehmen an diesem System teil und decken so etwa 10 % ihres gesamten Nahrungsbedarfs. Das ist etwa 1 % Wachstum für den lokalen Markt in einer Zeit, wo die größeren Ketten durch die ökonomische Rezession schrumpfen.
Auch die Struktur der „Projekt-Unterstützung“ hat sich gewandelt: regionale Transition-Netzwerke in Schottland, England und anderswo entwickeln sich schnell und können so die Transition-Trainer unterstützen. Auch die Vernetzung über das Internet ist eine große Hilfe für die Transition-Bewegung. Über Wiki-Websites geben Gemeinden in Großbritannien ihre Ideen weiter und bekommen Anregungen aus Brasilien, Australien oder den USA.
Die Erfahrungen von Totnes und ihre rasche und weite Verbreitung durch das „Transition-Handbook“ scheinen den richtigen Weg zu weisen.
Wenn man aber den Berichten auf der Konferenz zuhörte, etwa der kreativen Performance „Wie man in einer Stunde einen Energie-Sparplan aufstellt“, konnte man feststellen, dass Gemeinden und Gemeinschaften überall Teile ganz „wild“ übernehmen, so wie es zur jeweiligen Realität in ihrer Region passt.
Nachdem man uns jahrelang erzählt hat, dass die Welt überall gleich sei, entdeckt Transition immer wieder neu die lokalen Besonderheiten der Geografie und der Gemeinden sowie die ungeheuren Schätze der lokalen Geschichte und die angestammte Lebenskraft der Region. Regionale und lokale Orientierung ist nicht nur eine Antwort auf Peak-Oil und Klimawandel sondern auch auf die internationale ökonomische Krise, die sich in den Bankenpleiten infolge der neoliberalen Ökonomie zeigt.

Das Besondere
Der Erfolg der Transition-Bewegung beruht offenbar auf einer „synergistischen Befriedigung“ (nach dem „Barfuß-Ökonomen“ Manfred Max-Neef), indem sie viele Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt: Sie befreit von der persönlichen Entmutigung, die von der Verleugnung oder Vermeidung der großen Zeitfragen herrührt. Sie beschäftigt sich mit der sozialen Rezession – dem Gefühl von Unverbundenheit und Fragmentierung der Gesellschaft – und gleichzeitig unterstützt sie die einschneidenden Verhaltensänderungen, die wir alle für eine kohlenstoffarme Gesellschaft vollziehen müssen. Indem sie Wert auf persönliche Vernetzung legt und die individuelle Kreativität fördert, erweckt sie in einer Zeit weit verbreiteter Desillusionierung ein überraschend starkes Bedürfnis nach Engagement – auch danach, wieder mit Politikern zusammenzuarbeiten, ohne in ihnen Feinde zu sehen oder ihnen die Schuld zu geben.
Mary Jane Rusts Präsentation „Lebenskraft des Herzens“ illustrierte das gut. Sie stellte die wichtigen Fragen: „Krisen haben das Potenzial, unsere Herzen zu transformieren. Das ist ein großes Geschenk. Was könnte uns helfen, mit offenem und starkem Herzen durch die Prüfungen unserer Zeit zu gehen? Wie bauen wir innere Stärke und ebenso widerstandsfähige Gemeinschaften auf, so dass wir die Konflikte aushalten und lösen können? Welche Schritte müssen wir gehen, um uns auf neue Weise mit uns selbst, mit einander und mit der Erde zu verbinden?“ Das zeigt auf, dass „Transition“ nicht nur im Aufbau krisenfester Kommunen besteht, sondern ebenso auch eine persönliche und spirituelle Her­ausforderung ist, ein Weg, unser eigenes dysfunktionales Verhalten gegenüber der Erde zu heilen.
Es gab viele weitere Höhepunkte auf der Konferenz. ­David Stahan, Autor von „The Last Oil Shock“, demonstrierte in seiner Präsentation, wie die Schwankungen des Öl-Preises zeigen, dass der Öl-Peak weltweit schon überschritten wurde, wahrscheinlich im Oktober letzten Jahres. Trotz Rekord-Ölpreisen von 140 Dollar pro Barrel stieg die Öl-Produktion nicht an, sondern sank. Die Öl-Preise gaben den überhitzten Volkswirtschaften die kalte Dusche, die sie brauchten, und führten die gegenwärtige weltweite Rezession herbei.
Die Konferenz erlebte auch die erste Fassung des Films „In Transition“, einer Low-Budget-Produktion mit Laien-Videos aus aller Welt. Immer noch in Bearbeitung, wurden die Beiträge der Konferenz zur möglichen Verbesserung aufgenommen.
Das Angebot der Veranstaltung war sehr reichhaltig, die Bandbreite an behandelten Themen enorm. Ich verließ die Konferenz in der Gewissheit, dass wir die Menschen sind, die eine Klammer bilden: Wir leben am Ende eines Zeitalters und am Beginn eines neuen. Es ist eine Zeit des Brückenbauens, und bei dieser Arbeit entwickelt sich die Transition-Bewegung zum entscheidenden Element. Hut ab vor den Organisatorinnen und Organisatoren der Konferenz. Das nächstes Jahr verspricht, noch besser zu werden.



John Croft (60) arbeitet seit 34 Jahren mit den Methoden der Tiefenökologie, des Community Building und des Persönlichen Wachstums. Er ist Erfinder der Dragon-Dreaming-Methode, die dazu dient, Träume zu realisieren. Zur Zeit lebt er in Tüfingen und gibt Workshops in Deutschland. Kontakt: Tel. (0 75 53) 5 96, jdcroft@yahoo.com

  Autoren

Croft, John

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