Cäcilia Bardill berichtet von der Holon-Sommertagung im Tessin
Ein Experiment über freiwillig praktizierte Bescheidenheit, das war die diesjährige Sommertagung. Doch Cäcilia Bardill hat in Aranno neben klösterlich-kärglichen Tagungsverhältnissen auch eine Fülle an Wissen, Austausch und Angeboten erlebt. Und nicht zuletzt wurde auf der Veranstaltung auch eine denkwürdige Fusion begangen …
Eine besondere Tagung war’s dieses Jahr. Gastgeber Willi Maurer und seine Lebenspartnerin Nicole luden uns in ihr Haus im schweizerischen Aranno ein. Im Zelt, im Matratzenlager und in ihrem Wohnhaus fanden alle 24 Teilnehmenden Platz. Der Ort war von fleißigen Händen für die Gäste vorbereitet worden. Freilufttoiletten und die Erweiterung des Tagungsraums – ein Bretterboden mit einem dichten Zeltdach darüber – mussten eigens hergerichtet werden. Als wir Gäste eintrafen, war alles bereit, und das Dach hielt dem am ersten Morgen unaufhörlich darauf trommelnden Regen stand.
Bescheiden war die Anzahl der Teilnehmenden, was jedoch dazu verhalf, dass sich bald ein gutes Gruppengefühl entwickelte und eine vertraute Atmosphäre entstand.
Bescheiden waren die Unterkünfte, aber alles, was man brauchte, war da – ein Anstoß, um zu überdenken, was wir wirklich zum Leben brauchen, was uns wichtig ist, und was überflüssig wäre.
Bescheiden war auch das Essen – mengenmäßig – im übrigen aber ein zentrales Erlebnis, von den Anwesenden unterschiedlich wahrgenommen. Am Morgen standen lediglich Tee und Kaffe zur Verfügung. Mittags und abends wurden, auf einem großen Teller äußerst dekorativ hergerichtet, Gemüsestücke, Fruchtschnitze, Mandeln, Beeren – pro Person genau abgezählt – serviert. Schweigend und in Zeitlupe wurde die Mahlzeit eingenommen. Wirklich satt war wohl niemand, und doch haben die meisten das Experiment mitgemacht und dabei erlebt, dass wir – zumindest vorübergehend – auch mit sehr viel weniger Essen zurechtkommen. Meine Abhängigkeit vom Essen und zugleich der Wert des gemeinsam eingenommenen Mahls wurden mir neu bewusst.
Bescheiden waren auch die Vorgaben des Programms. Der Morgen war zeitlich strukturiert, ebenso stand fest, dass wir uns abends nach dem Abendessen zum Plenum treffen. Inhaltlich aber war alles offen. Am morgendlichen Marktplatz wurde zusammengetragen, was an Impulsvorträgen oder Gesprächsthemen aus der Runde der Teilnehmenden angeboten wird. Gemeinsam wurde dann ausgewählt, welches Thema zum Zug kommen soll. Desgleichen wurde der Nachmittag mit Angeboten aus der eigenen Runde gestaltet. Eine Fülle an Wissen, Erfahrungen und Informationen wurden auf diese Weise ausgetauscht.
Das Angebot war vielseitig: Erlebnissen eines Pilgers (Dieter Bäldle), Integrale Politik (Gil Ducommun) Frühkindliche Prägung durch Schwangerschaft und Geburt (Willi Maurer), Demokratiekonzept (Remy Holenstein) wurden Vormittags in Einführungsreferaten vorgestellt und im Gespräch vertieft. Nachmittags wurde zu Mandalamalen, Massage, Gespräch über Indigokinder und weiteren Angeboten eingeladen.
Intensive Erlebnisse waren auch diesmal das morgendliche Plenum und der abendliche Rückblick im Forum. Hier war Platz für persönliche Anliegen und Empfindungen. Zugleich ist diese Art von Austausch eine gute Persönlichkeitsschulung und ein Dialog-Training. Wer kann wirklich zuhören, ganz auf das Gegenüber eingehen, aufnehmen, was dieses sagt, ohne bereits die Antwort im Köcher zu haben? Ein Übungsfeld, das wir wohl immer wieder nötig haben.
Mittendrin: die Jahresversammlung
In die Mitte der Tagung eingebettet war die Jahresversammlung von Holon und von dynamik5 mit dem Hauptthema „Fusion der beiden Vereine“. Die Gründe, die für eine Fusion unter dem Namen Holon sprechen, sind die, dass sich die beiden Vereine zu großen Teilen in ihren Aktivitäten decken. Beide sind „neutrale” Vernetzungsorganisationen der integralen Kräfte und auch „neutrale” Orte, wo das Integrale Bewusstsein entwickelt und geschult wird. Eine Besonderheit von dynamik5 ist das Schreiben von „Konzepten“, von Lösungsvorschlägen für gesellschaftliche Probleme. Dies wird nun zunehmend von der Partei Die Violetten (in Deutschland) und dem Verein „integrale Politik“, der in der Schweiz die Parteigründung anstrebt, gemacht.
Holon wurde im vergangenen Jahr von einem einzigen Vorstandsmitglied geführt und hätte so nicht länger bestehen können.
Aus all diesen Gründen schlugen die Vorstände beider Vereine vor, die beiden Gruppierungen unter dem Namen „Holon – Netzwerk für integrale Entwicklung“ in die Zukunft zu führen. Die Fusion wurde von allen Anwesenden begrüßt und die Vereinigung mit einem Kreistanz gewürdigt. Dynamik5 Deutschland wird sich aller Voraussicht nach ebenfalls dem neu erstandenen Holon anschließen. Der vorliegende Statutenentwurf wurde grundsätzlich gutgeheißen. Gewünschte Änderungen und Anpassungen können dem Vorstand – dieser setzt sich aus dem bisherigen Vorstand von dynamik5 Schweiz sowie dem einzigen Holon-Vorstandsmitglied zusammen – gemeldet werden. Diese werden angemessen berücksichtigt und in die endgültige Version aufgenommen.
Die Fülle nach der Bescheidenheit durften wir beim festlichen Abschluss-Abendessen mit einem reichhaltigen Couscous – diesmal nicht in Portionen abgezählt – und einem Glas Wein erleben.
Im ganzen eine besondere Tagung, die aufgezeigt hat, dass eine Fülle an Austausch, Information und Erleben aus dem Kreis der Teilnehmenden geschöpft werden kann, dass viel Potenzial vorhanden ist.
Cäcilia Bardill ist seit fünf Jahren im Vorstand von dynamik5.
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