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Editorial
erschienen in Ausgabe 166
Liebe Leserin,lieber Leser,
in wenigen Wochen schlüpft die neue Zeitschrift Oya aus dem KursKontakte-Kokon. Alle hier sind positiv angespannt, viele Menschen ermutigen uns, die ersten Lesergenossenschaftsanteile sind gezeichnet – sind Sie schon dabei?!
Und ich habe eine ­Durchhängerstunde zum Blättern in den Ausgaben der letzten Jahre genutzt. Unglaublich, was für ­tolle Leute uns ihre wandlungsstarken Gedanken geschenkt haben, wieviele Anstöße zu sofortiger lebensändernder Erkenntnis jedes Heft enthielt. Und wie ernüchternd, dass Themen, die uns vor 50, 60 Ausgaben als wesentlich erschienen, heute noch genauso dringlich, wenn nicht dringlicher sind.
Was also haben wir bisher geleistet? Wir sind ja nicht allein. Einige Kollegen haben mit ihren Medien ebenfalls durchgehalten, sind so etwas wie Institutionen geworden – und teilen mit uns die von Ausgabe zu Ausgabe sich neu stellende Frage: Was nützt’s?
Aber so funktionieren lebende Systeme nun mal: Aufbauende und abbauende Kräfte ringen um das kleine Quentchen Vorsprung, das über Fortdauer oder (Aus-)Sterben entscheidet. Und dass wir Kulturkreativen uns stetig mit all unseren aufbauenden Kräften gegen den ebenso stetig als Verfall wahrgenommenen komplementären Kräftefluss stemmen, ist Teil des globalen Systems Mensch. In dem steckt wie in einer Matrjoschka-Puppe im Allerinnersten mein eigener kleiner Körper, der denselben Prozessen unterworfen ist. Mit all meinem lebensfördernden Bemühen bin ich nicht wertvoller oder wertloser für das große Ganze wie derjenige, dessen Matrjoschka-Körperchen die Hebelchen anders legen will.
Warum also weitermachen? ­Bedrucktes Papier scheint die Welt nicht zu ändern – anders als Lieder: „The Hammer Song“, „Blowin’ in the wind“, „Imagine“ …
Wer aber ernsthaft forscht, wird sensibel für immer feinere Merkmale, spürt Zusammenhänge im scheinbar Unverbundenen.
Und es ist tatsächlich so: Ein gewaltiger aufbauender Trend unterfließt den Strom der globa­len Entwicklung. Das Matrjoschka-Prinzip gilt ja in beide Richtungen: Eins steckt im anderen, aber das andere umhüllt auch das eine. Im Menschheitskörper bilden sich Gruppen, die das Kleine, Wehrlose umhüllen und schützen. Lokal wie global. Und noch größer geschaut, kann ich die ­Matrjoschka erkennen, in der unsere Menschen-Erde steckt: Es ist unser kollektives Bewusstsein, das diesen kleinen kosmischen Ort umhüllt. Die aufbauenden Kräfte sind überall spürbar. An vielen Herden und virtuellen Lagerfeuern wird der Song von einer guten Welt geprobt. Zu diesem Song wollen wir genau die Klänge beisteuern, die wir jetzt hören – an unserem spezifischen Ort, zu unserer spezifischen Zeit, mit unserer spezifischen Kraft. Und sei es eben mit einer Zeitung.
Wir sprechen uns wieder – in Oya!
Herzlich, Ihr
Johannes Heimrath

  Autoren


Heimrath, Johannes

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