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Über uns
Impressum
Wenn die Hoffnung wiederkommt
erschienen in Ausgabe 166
Ein Bericht über die „Anders-besser-leben“-Gruppe in Ulm

Das Netzwerk „Aufbruch – Anders besser leben“ will Menschen ermutigen, gemeinsam mit anderen konkrete Schritte in eine zukunftsfähige Lebensweise zu gehen. Seit der Gründung im Jahr 2001 haben sich in mehr als 20 Städten Aufbruch-Ortsgruppen gebildet. Hier stellt sich die Ulmer Gruppe vor

.
Die Ulmer Aufbruch-Gruppe ist zwar nur eine kleine, dafür aber sehr konstante Gruppe. Uns gibt es jetzt seit gut vier Jahren und wir waren in dieser Zeit immer um die sechs Personen im Alter zwischen Ende 30 und Mitte 60, mehr Frauen als Männer.
Unsere Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Hintergründen und Vergangenheiten. Es waren früher einige bei Greenpeace oder den Grünen aktiv, andere haben Erfahrungen mit Meditation oder Esoterik oder haben sich mit der Anthroposophie und dem Buddhismus beschäftigt. Ich selbst habe über fünf Jahre lang in einer ökologisch und spirituell orientierten Lebensgemeinschaft gelebt. Die Initiative Aufbruch bedeutete für mich die Möglichkeit, mich auch weiterhin mit Menschen zu verbinden und auszutauschen, die an diesen Themen interessiert sind. Außerdem kann ich hier einige der wunderbaren Erfahrungen, die ich in meiner Gemeinschaft gemacht habe, weitergeben.
Gemeinsam ist uns das Gefühl: So wie bisher kann es in unserer Gesellschaft nicht weitergehen! Indem wir uns bemühen, die Zusammenhänge zu verstehen, können wir nicht einfach so weitermachen, wie bisher. Aber um unseren Lebensstil nachhaltig zu verändern, braucht es Mut, Ausdauer und Entschlossenheit – da hilft es, wenn wir uns gegenseitig unterstützen. Durch unsere regelmäßigen Treffen, beschäftigen wir uns intensiver mit diesen Themen und können sie dann, wenn wir z. B. vor einer Kaufentscheidung stehen, nicht so leicht verdrängen.
Der Wandel im tatsächlichen Handeln vollzieht sich oft nur in ganz kleinen Schritten, jeder in der Gruppe kann und soll da seinen eigenen Weg gehen. Wichtig ist der Bewusstseinswandel: dass wir die Auswirkungen unseres Handelns kennen und die eigene Verantwortung annehmen. Vor allem aber, dass wir immer mehr spüren, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind, verbunden mit allem.

Miteinander reden und Feste feiern
Bei unseren ein- bis zweimal monatlich stattfindenden Treffen verbinden wir uns anfangs immer mit einem Händekreis, während wir einen Text hören. Danach berichtet in einer „Steinrunde“ jeder, wie es ihm gerade geht, was ihn momentan beschäftigt. Diese Redekreise sind ein indianisches Ritual, bei dem die oder der die eigene Wahrheit Sprechende nicht unterbrochen werden soll und die volle Aufmerksamkeit der Übrigen erhält. Dann behandeln wir meistens ein Thema, das ein Gruppenmitglied vorbereitet hat. Es sind nicht immer nur ökologische Themen, uns interessiert alles, was zu einem „besseren“ Leben beitragen kann, wie z. B. das bedingungslose Grundeinkommen, Tiefenökologie oder gemeinschaftliche Projekte. Im Anschluss an den Vortrag gibt es einen persönlichen Austausch zum Thema; das Treffen endet schließlich mit einem abermaligen Händekreis und oft mit einem Lied.
Vor kurzem haben wir wieder ein (Ernte-)Dankfest gefeiert. Aus Obst, Gemüse, Blumen und Blättern legten wir ein Mandala, mit jedem neuen Stück wurde ein Dank ausgesprochen: für ein schönes Erlebnis, Gesundheit, Begegnungen, Erfahrungen usw. In unserer Gesellschaft schaut man eher darauf, was man nicht hat, das erzeugt ein Gefühl des Mangels. Aber wenn ich mir bewusst mache, wofür ich dankbar sein kann – und das können kleine, alltägliche Dinge sein, wie etwa die Schönheit einer Blume – kann sich ein tiefes Glücksgefühl einstellen. Nach diesem Ritual tanzten wir einen Kreistanz und sangen miteinander, und zuletzt gab es ein Lagerfeuer mit einem gemeinsamen Essen.
Weitere Feste feiern wir mit anderen Menschen aus unserem Bekannten- und Freundeskreis zu Beginn der Adventszeit, zu Silvester, zur Winter- und Sommersonnenwende. Es sind sowohl die ruhigen Fest-Elemente als auch das ausgelassene, fröhliche Feiern, was eine besonders schöne und verbindende Atmosphäre entstehen lässt. Das obligatorische große vegetarische Buffet tut ein Übriges.
Es kam auch schon vor, dass wir uns zum gemeinsamen Kochen getroffen haben oder einen Ausflug unternahmen. Wir waren bei Aufbruch-Seminaren, und einige teilten schließlich mit der Gruppe die Inspiration, die sie bei Besuchen in den Gemeinschaften Sieben Linden und Glarisegg erhalten hatten. Als Gruppe sind wir politisch nicht aktiv, aber einige von uns gehen manchmal zu Veranstaltungen von Attac oder den Violetten.

Herausforderungen
Es ist in einer Gruppe bekanntlich nicht immer leicht, mit den Eigenarten einzelner Mitglieder zurechtzukommen, etwa Beredtsamkeit oder Verschlossenheit, Nachlässigkeit oder Pedanterie der anderen auszuhalten. Das ist bei uns nicht anders. Dennoch sind aus der Gruppe heraus intensivere Beziehungen entstanden, wobei man auch außerhalb der Gruppe einiges unternimmt.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise und vor allem der Klimawandel sind für alle ein Thema. Wir spüren die Auswirkungen noch nicht, aber es macht uns Sorgen, was auf uns zukommt. Hier hilft es, dass wir uns als Gruppe gegenseitig stützen. Andererseits haben wir auch die Hoffnung, dass sich durch die Krise etwas ändert. Solange alles „gut“ läuft, wird es wohl keine Veränderung geben. Wenn wir uns nur den negativen Nachrichten der Medien aussetzen, kann man leicht pessimistisch werden und verzweifeln. Aber wenn man die vielen guten Initiativen und Projekte kennenlernt, die überall auf der Welt entstehen und über die kaum breit berichtet wird, kommt die Hoffnung wieder, dass wir uns doch schon in der Zeit des „großen Wandels“ befinden.


Jusi Silva, 48, arbeitet als Software-Entwicklerin und im zentralen Koordinationskreis der Aufbruch-Initative.
www.anders-besser-leben.de


  Autoren

Silva, Jusi

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